Geschichten aus dem Leben #4

Geschichten aus dem Leben #4

Wir haben eine neue Blogreihe gestartet, hier findest du den ersten Teil Geschichten aus dem Leben, dieses mal hat uns eine Geschichte erreicht. Die wir euch nicht vorenthalten wollen. Susanne hat uns Ihre Geschichte aus dem Leben erzählt und uns erlaubt diese auf Ahloha zu veröffentlichen.

Der Tag der alles veränderte.

Wir schreiben das Jahr 2009: Mein Mann und ich waren ein Jahr verheiratet, alles war wie wir es uns vorgestellt haben. Allerdings sollte es nicht unser Jahr werden. Mein Mann hatte schon immer das Hobby der Geschwindigkeit. Er liebte es einfach auch mal schnell zu fahren. Ob es nun mit dem Auto, mit dem Motorrad war, egal. Alles, was einen Motor hatte, hatte so auch seine Aufmerksamkeit.

Ich habe ihn mit seinem außergewöhnlichen Hobby kennen und auch lieben gelernt. Klar war die Angst schon immer dabei, dass es eben auch mal schiefgehen kann. Jede freie Minute verbrachte mein Mann in der Garage und hat da an seinem Motorrad oder Auto geschraubt. Ich liebte es, sonntags bei schönem Wetter mit ihm im Auto zu sitzen. Den Motor brüllen zu hören und ja auch das Gefühl der Beschleunigung zu fühlen.

Manchmal war aber auch Angst dabei, weniger bei meinem Mann, mehr bei mir. Weil es mein Mann eben auch hin und wieder mal übertrieben hat. Das Auto hat ein paar PS mehr und wir wollen raus, das war immer sein Spruch. Ich habe ihm da vertraut, er wusste immer, was er machte und wie er wann reagieren muss, wenn dann mal eine unvorhersehbare Situation eintraf. Zudem hatte er sein Auto immer im Griff, so fühlte ich mich schon sicher, wenn wir dem Rausch der Geschwindigkeit nach gingen.

So kam es eben auch oft vor das wir mal eben auf einem Sonntag in eine ganz andere Gegend gefahren sind, eigentlich waren es immer um die 400 – 500 Kilometer die wir zurücklegten. Wir haben in der Zeit echt viel gesehen und sind auch viel rumgekommen. Es hat schon Spaß gemacht, wenn man Morgens zu Hause Frühstückt und Mittag mal eben in Hamburg oder Berlin ist. Es war schon wie eine kleine Auszeit für uns vom Alltag.

Jedoch kam es eben auch mal vor, dass mein Mann mit seinen Jungs loszog, ich wusste immer das die Gruppe es übertreiben muss. Ich hatte es immer im Gefühl, wenn alle loszogen, dass irgendwann mal etwas Schlimmes passieren musste. Dabei habe ich immer gehofft, dass es nicht meinen Mann trifft.

Der Schlimmste Tag in meinem Leben.

Es war ein Sonniger schöner Samstag, als mein Mann fröhlich an den Frühstückstisch kam und mir Mitteilte das er mit den Jungs auf eine Automesse wollten. Klar stimmte ich zu, auch wenn er mal über Nacht weg sein wird. Ich machte ihn für die Fahrt noch ein Esspaket fertig. Als auch schon die ersten seiner Freunde bei uns auftauchten, um ihn abzuholen. Mein Mann gab mir einen Abschiedskuss, ging zur Tür und rief noch freudestrahlend, ich liebe dich. Er verschwand in der Garage, startete sein Auto und fuhr vom Hof.

Ich habe den Haushalt gemacht und auch irgendwie die Zeit vergessen, immer, wenn ich aufräumte, hatte ich Radio an. Ich weiß nicht warum, aber als ich die Verkehrsmeldung hörte, dass eine Vollsperrung auf der Autobahn ist, die mein Mann an dem Tag nehmen musste. Hatte ich ein echt schlechtes Gefühl. Es trieb mich so zu meinem Handy und ich wollte ihn anrufen, allerdings erreichte ich nur seine Mailbox. Was ich schon komisch fand, so entschloss ich mich einen seiner Freunde anzurufen.

Aber keiner von Ihnen ging an das Handy, ich dachte mir dann, dass sie ja zurückrufen würden, wenn Sie es sehen würden. Meine Gedanken kreisten immer mehr und mehr, also habe ich mich weiter mit Haushalt abgelenkt. Die Verkehrsmeldungen habe ich allerdings weiter verfolgt. Es hat mir keine Ruhe gelassen, heute weiß ich warum. Aber das stellte sich erst später heraus.

Es war gegen 18 Uhr als es an der Tür klingelte. Verwundert, wer das sein könnte, ging ich in Richtung der Tür. Als ich diese öffnete, wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Es standen zwei Polizisten vor der Tür, ohne dass die beiden etwas sagen mussten, brach ich schon in Tränen aus. Das Gefühl war einfach da, dass mit meinem Mann etwas passiert war, die beiden Beamten, haben gleich eine Seelsorge dazu gerufen, was ich erst später bemerkte.

Die Beamten erklärten mir, was passiert war und dass es mein Mann nicht geschafft hatte. Für mich brach eine Welt zusammen, die nette Dame der Seelsorge war die ganze Nacht noch bei mir. Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen, dabei wollte ich meinem Mann am Sonntag noch sagen, dass ich schwanger bin. Es war alles so unwirklich und das ist es bis heute. Zum Teil mache ich mir die Vorwürfe, warum ich ihn nicht von seinem Hobby abgehalten habe, warum habe ich ihm nicht früher von der Schwangerschaft erzählt. Er wäre doch dadurch sicher vorsichtiger gewesen, oder?

Es gibt einfach nichts Schlimmeres, als den Menschen den man über alles Liebt zu verlieren und das auf so eine tragische Art und Weise. Hätte ich es denn verhindern können, wenn ich ihn zurückgehalten hätte, wenn ich gesagt hätte fahr bitte nicht? Jeden Abend quälen mich nun diese Gedanken, ob ich es hätte verhindern können? Unser Sohn ist jetzt 13 Jahre alt, er kennt die Geschichte seines Vaters. Dabei hoffe ich inständig, dass er nicht den gleichen Fehler macht, unser Sohn hat mir die Jahre die Kraft gegeben, die ich brauchte. In ihm sehe ich meinen Mann, denn ich heute noch über alles liebe und er fehlt mir noch immer.

Das war die Geschichten aus dem Leben von Susanne.

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